Perspektiven auf Langenegg – Teil 3

Was uns verbindet

In den letzten Jahren ist oft von einer „gespaltenen Gesellschaft“ die Rede. Unterschiedliche Meinungen, Lebensstile oder Werte scheinen Gräben zu ziehen – zwischen Generationen, Milieus und Weltbildern. Doch wir glauben: Was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt.

Die Ärztin und Autorin Gilda Sahebi erinnert in ihrem Buch „Verbinden statt spalten“ daran, dass Demokratie davon lebt, einander zuzuhören. Verstehen heißt nicht zustimmen, sondern das eigene Denken zu erweitern. Wer von Empörung auf Neugier umschaltet, entdeckt: Es geht nicht darum, dass alle gleich denken – sondern dass wir einander nicht zum Feind machen.

Der Philosoph Ludwig Hasler, den wir bei den Landgesprächen in Hittisau erleben durften, fragt provokant: „Warum sind wir so gereizt, wo es uns doch besser geht denn je?“ Wir leben gesünder und sicherer als frühere Generationen – und sind doch oft unzufrieden. Nicht Mangel macht uns müde, sondern die Banalisierung des Lebens. Hasler ruft dazu auf, Sinn und Bedeutung wieder in den Mittelpunkt zu stellen: durch Engagement, Beziehungen und die Bereitschaft, Teil eines größeren Ganzen zu sein.

Beide Perspektiven ergänzen sich: Fortschritt, Wohlstand und Freiheit entfalten ihren Wert erst, wenn sie uns näher zusammenbringen. Verbindung entsteht, wenn wir bereit sind, zuzuhören, Fragen zu stellen und Unsicherheit auszuhalten.

Gerade in einer kleinen Gemeinde wie Langenegg können wir zeigen, wie Zusammenhalt wächst – durch Begegnung, Respekt und das Vertrauen, dass Vielfalt uns bereichert. Wenn wir neugierig bleiben aufeinander, statt ängstlich voreinander zu werden, entsteht Gemeinschaft, die trägt.

Denn eine gute Zukunft gelingt nur, wenn wir verbinden statt spalten.

Katharina und Thomas